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Die umbrischen Weine

Umbrien ist sehr reich an Traditionen, Kultur und Kunst. Die Umwelt ist für den Menschen erhalten geblieben und garantiert eine hohe Lebensqualität. Diese Qualität spiegelt sich auch in den landwirtschaftlichen Produkten wieder, die sich durch eine unverfälschte Einfachheit auszeichnen. Eines der meist geschätzten Produkte ist der Wein. Die Region Umbriens befindet sich etwa 100 Meter über dem Meeresspiegel und nur 30 Prozent des Gebietes liegt höher als 500 Meter. Die reichen winterlichen Niederschlägen und die sonnige Sommerzeiten, sichern das beste Klima für den Weinanbau. Durch die abwechslungsreiche Landschaft gibt es große Unterschiede in der Produktion. Hinzu kommt die antike Tradition des Weinanbaus, deren die Umbrer Bewahrer sind. Ein Zeugnis davon ist das Weinmuseum in Torgiano. Eine Bestätigung der hohen Qualität sind die elf umbrischen Weine, die mit dem Prädikat DOC (Denominazione Origine Controllata = Kontrollierte Herkunftsbezeichnung) oder DOCG (Denominazione Origine Controllata Garantite = garantierte kontrollierte Herkunftsbezeichnung) ausgezeichnet sind.

 

Montefalco Sagrantino DOCG

 

Südliche von Perugia liegt die Gemeinde von Montefalco und ein Teil des Bezirks der Gemeinden Bevagna, Gualdo Cattaneo, Castel Ritaldi und Giano dell`Umbria. Hier werden rote und weiße Weine von außerordentlichem Ruf gekeltert. Schon Plinio der Alte erwähnt in seiner Naturalis Historia den Weinstock „Itriola“ typisch für diese Zone „Itriola Umbriae Mevanatique agro peculiaris est“ heute leider Unbekannt, aber wahrscheinlich der Vorfahre der  Sagrantinorebe. Die Herkunft dieses Weines ist unbekannt. Einige Gelehrte vermuten, daß die Sarazenen ihn auf ihren Streifzügen eingeführt haben. Andere behaupten, daß es die Franziskanischen Mönche, auf ihrer Rückkehr von Spanien, gewesen sind. Der Name lässt annehmen, dass der Wein in der geistlichen Liturgie Anwendung gefunden hat, denn die Wurzel des Namens kommt von „sacer“ – heilig. Es werden zwei Sorten produziert: ein trockener und ein süßer Wein. Der Trockene wird aus reiner Sagrantinotraube hergestellt und für mindestens 30 Monaten gealtert, davon 12 Monate in Holzfässern. Auch für den Süßen wird nur die reine  Sagrantinotraube verwendet, doch nach der Weinlese werden ausgewählte Reben gelagert. Dazu legt man sie zum verwelken, in gut gelüftete Räume, auf ein spezielles Holzflechtwerk. In den ersten Tagen des folgenden Jahres kommt es dann zur einer traditionellen Weiterverarbeitung.

  

Torgiano Rosso Riserva DOCG

Das Produktionsgebiet des Weines von Torgiano umfasst ein Gebiet  das vor allem durch seiner Hügel, die nicht höher als 300 m sind, gekennzeichnet ist. Der Boden besteht meistens aus sandigem Ton der sehr kalkhaltig ist und auf einer Basis von Tuffstein ruht. In früheren Zeiten fand man hier nur zwei Sorten von Weinen. Einen Roten und einen Weißen. Heute ist die Produktion sehr erweitert worden und es wird sogar ein Sekt hergestellt. In antiken Zeiten verband man die angebauten Weinstöcke nach etruskischer oder römischer Tradition. Der Anbau war bestens geschützt und die strengen Regeln Torgianos von 1426, enthalten strenge Strafen für diejenigen, die gegen sie verstoßen. Der Wein Torgiano Rosso Riserva war der Erste der 1990, der das Prädikat DOCG erhielt und der Erste Wein Umbriens im Jahr 1968 das Prädikat DOC. Veronelli zählt ihn unter die ersten 32 Weine in der Welt. In dieser Stadt kann man das Weinmuseum besuchen. Es enthält eine wichtige Sammlung von illustrierter Geschichte der Techniken des Anbaus und der Verarbeitung des Weines in Umbrien mit Gegenständen aus etruskischer und römischer Zeit. Weinamphoren und römisches Glas befinden sich in den Räumen des Palazzo Graziani Baglioni. Hier gibt es auch eine wertvolle Sammlung von Majoliken, die einen Zeitraum vom Mittelalter bis heute umfasst. In der Bibliothek gibt es eine umfassende Sammlung von Schriften aus dem fünfzehnten Jahrhundert, deren ein großer Teil dem Wein als Heilmittel gewidmet ist. 

 

 

Orvieto und Orvieto Classico

Der Weißwein aus Orvieto ist bestimmt einer der bekanntesten und meist geschätzten Weine in der Welt. Schon die Etrusker kelterten ihn und ließen ihn in den Tuffsteinkellern reifen. Im Mittelalter und der Renaissance war er einer der bevorzugten Weine des Hofes des Papstes, deshalb nannte man diesen Wein auch „Papaliter“. Papst Gregor XVI verfügte, daß sein Körper, vor seiner Bestattung, mit diesem Wein gewaschen werden sollte. Von großer Bedeutung war der Wein auch während des Dombaus. Die Arbeiter verlangten eine Garantie für eine bestimmte Menge einer gratis Belieferung, die sogar vertraglich festgehalten wurde. Luca Signorelli, als er die Kapelle von San Brizio mit Fresken ausstattete, bekam nicht nur 575 Dukaten sondern auch 12 Lasten Wein (heute etwa tausend Liter). Item che la fabrica sia obligata a darli, per lo tempo che lui lavora continuo, dui quartenghe di grano al mese e dodice some di mosto per ciascun anno alla vendebia incomensando alla vendebia proxima che verrà”. Man erzählt, das Garibaldi, bevor er den Hafen von Telamone nach Sizilien verließ, mit diesem Wein auf gutes Gelingen anstieß. In Orvieto werden mehrere Sorten von Wein geerntet (toskanischer Trebbiano, Verdello, Grechetto, Drupeggio) und es gibt noch viele Andere, die bekanntesten sind einige liebliche Sorten. Diese Weine bekommen ihren edlen Geschmack von einem Edelschimmel Namens Botrztis cinerea. Wegen des morgendlichen Nebels, bildet sich dieser Schimmel, der die Poren der Trauben erweitert ohne seine Schale zu zerstören, dann, wenn die Sonne ihre Hitze ausstrahlt, verdunstet das Wasser. Darum ist im Most sehr viel Zucker erhalten und man findet eine hohe Konzentration von Glyzerin mit einer hohen geschmacklichen Komponente. Die Reben werden sehr spät geerntet und die Fermentation geht  sehr langsam, in kleinen Tuffsteinhöhlen, vor sich. Der Wein wird in Fässern für 3 bis 4 Jahre gelagert und immer wieder aufgefüllt.

 

Olivenöl extravergine

Die Ersten die den Olivenbaum kultivierten, waren die Etrusker. Schon im ersten Jahrhundert v. C. war die Ölherstellung die wichtigste der Region von Otricoli, die auch der Ölhafen genannt wurde. Sie befindet sich in einer antiken Kurve des Tibers, dort wo der Fluss beginnt unterirdisch zu fließen. Von dort transportierte man das Öl bis in die Hauptstadt. Als Zeuge der hohen Qualität des umbrischen Olivenöls gibt es zahlreiche Bewiese wie zum Beispiel die Dolii (typische römische Ölbehälter), die man in römischen Villen ausgegraben hat, die in der Nähe des Tibers oder des Nera gebaut waren. In der Nähe Trevis hat man ein eine Ölmühle ausgegraben, die aus Sandstein erbaut war und riesige, unterirdische Behälter beherbergte, die zur Erhaltung des Öls benutzt wurden. In Orvieto, präziser in der Grabung Nr. 536, fand man in der Tiefe eine Ölmühle, die Mühle der Santa Chiara heißt. Es scheint so, daß hier schon die Etrusker Ende des XVII Jahrhunderts Oliven auspressten. Die barbarische Invasion beendete den Anbau und die Pflanzen verwilderten. Im Mittelalter begann man von neuem den Anbau und veredelte einen bestimmten Teil der Bäume. Im Fünfzehnten Jahrhundert wird die umbrische Produktion in einigen Schriften hervorgehoben. Der aus Bologna kommende Leandro Alberti veröffentlichte 1577 eine Beschreibung Spoletos in de res heißt: “Veggonsi ad ogni lato della via Flaminia per questa bella pianura frutteti [...]. Et non meno scorgesi gran moltitudine di mandorli, et olivi, ove nel tempo del verno gran numero de’ tordi si pigliano, che scendono dai monti a cercare per loro cibo...” [...] quivi ritrovasi copiosamente gran vino, olio, mandorle et altri frutti”.

 

 

Typische Selchwaren

Hier werden die Meister der Schweineverarbeitung “Norcini” genannt, da sie aus der Gegend von Norcia kommen. Vororts wird ein großes Angebot von typischen Selchwaren hergestellt. Am bekanntesten ist der Schinken aus Norcia.  Dieser hochwertige Schinken wurde schon von den Griechen und den Römern hergestellt. Die Technik der Produktion des Schinkens, wird  in der „de re rustica“ von Mario Porcio Catone, beschrieben und wird heute noch in einigen Gebieten im Zentrum Italiens durchgeführt.

 

Käse und Käseprodukte

Die große und die kleine Ebene, die Ebene von Castelluccio und die Talsohle von Norcia, die von Gubbio und Gualdo waren schon in den Zeiten der Römer, so wie heute und als Weiden für Kühe, Schafe und Ziegen genutzt. Bis vor zirka 30 Jahren wurde die frisch gemolkene Kuhmilch direkt an die Familien verkauft. Mit Aluminiumfässern wurde die Milch von Haus zu Haus gefahren. Die Schafsmilch benutzte man vor allem für die Herstellung von Ricotta und Käse. Ein Teil wurde für den Eigengebrauch verwendet, der Andere auf den Märkten verkauft.

 

 

Der Trüffel

Die ersten Beweise, daß der Trüffel als Speise genutzt wurde, kann man in der Bibel finden. Galeno, Arzt des I-II Jahrhunderts n. C.  rief für Vorsicht im übermäßigen  Verzehr des Trüffels auf. Er riefe einen willigen Zustand hervor, Giovenale behauptet es wäre leichter ohne Weizen auszukommen als ohne Trüffel. In Umbrien findet man drei Arten; einen hochwertigen Schwarzen, den Sommer Trüffel (Scorzone) und den Weißen. Der hochwertige Schwarze reift zwischen November bis März, seine Größe kann sehr unterschiedlich sein, von einer Nußgrösse bis zur Größe einer Apfelsine. Um seinen Geschmack besser war nehmen zu können, sollte man ihn leicht in Olivenöl erhitzen und ein wenig Knoblauch dazu geben. Der Weiße ist sehr selten und darum noch wertvoller. Seine Reifezeit ist zwischen Oktober und Dezember. Man schneidet ihn in dünne Scheiben und braucht nicht erhitzt zu werden. Der Sommertrüffel oder Scorzone genant ist weniger wertvoll und findet seine Verarbeitung in Produkten wie Trüffelolivenöl, Trüffelcremes, Trüffelpasteten, Käsen oder Liköre.

  

Die Linse von Castelluccio di Norcia

Auf einer Oberfläche von zirka 20 qkm in der Hochebene von Castelluccio di Norcia werden Linsen angepflanzt. Es scheint, daß die Linse eines der antikste Gemüse ist, da sie schon um 7000 v.C. genutzt wurde. Berühmt ist die Stelle in der Bibel (Genesis XXV) wo Esau sein Recht als Erstgeborener, für einen Teller Linsen, verkauft (siehe Fresko in der Hochbasilika von San Franziskus). Immer schon wurde die Linse geschätzt und verkauft. Man sagt ihr nach, daß sie Glück bringen soll, wenn sie in der Neujahrsnacht verzehrt wird. Der Anbau geschieht seit immer auf biologische Art und wird von Hand geerntet.

 

 

 

 

 

 

 

 

  
 

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